„In guten Phasen kann jeder Kapitän sein“

Simon Schmitz über seine Rolle bei den Gladiatoren, aktive Regeneration auf dem Golfplatz und die Vorzüge des Ehelebens.

RÖMERSTROM Gladiators: Wie läuft die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Nürnberg? Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Simon Schmitz: Die Vorbereitung läuft sehr gut. Am Montag und am Mittwoch haben wir als Mannschaft sehr hart trainiert. Nach der Niederlage gegen Essen und der verpassten Gelegenheit, uns für die Playoffs zu qualifizieren, haben die Köpfe natürlich bei dem einen oder anderen ein bisschen nach unten gehangen. Aber wir haben das gemeinsam in der Kabine aufgearbeitet und das Schöne ist, dass wir weiterhin alles in der eigenen Hand haben.

Wie Du schon sagst: Mit einem Sieg habt Ihr die erneute Playoff-Teilnahme sicher. Verändert das, wie man als Spieler bzw. als Team an so ein Spiel herangeht?

Im Grunde eigentlich nicht. Natürlich wird man das immer wieder gerne gefragt (lacht). Doch auch wenn es sich blöd anhört, ist es nun mal ein Spiel wie jedes andere. Der Gedanke an die Playoffs ist selbstverständlich im Hinterkopf. Aber unsere Vorbereitung jetzt großartig zu verändern wäre der falsche Ansatz. Das hieße ja, dass wir den Rest der Saison irgendetwas falsch gemacht haben. Schließlich gehen wir in jedes Spiel, um zu gewinnen.

Ganz konkret: Nach zuletzt zwei Niederlagen – was muss gegen Nürnberg wieder anders laufen, damit es mit dem Heimsieg klappt?

Die Quoten aus dem Feld heraus waren einfach nicht gut genug. Wir haben zwar viele offene Würfe herausgearbeitet, insbesondere in Essen, uns dafür aber nicht mit Punkten belohnt. Die Art und Weise wie wir gespielt haben war also gar nicht so sehr das Problem, sondern was wir daraus gemacht haben.

Als Kapitän bist Du in dieser entscheidenden Phase natürlich besonders gefragt. Wie gehst du mit der Situation für dich um? Was gibst Du deinen Teamkollegen mit?

Nach dem Spiel reden wir natürlich miteinander und auch im Training. Aber – und das sage ich den jungen Spielern immer wieder – solange der Einsatz stimmt, sollen sie sich weiter ihre Würfe nehmen und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben. Wenn du eine Phase hast, in der es mal nicht so läuft, musst du dir dein Glück eben über hartes Training zurückerarbeiten.

Was macht einen guten Kapitän für dich aus? Gibt es sportliche Vorbilder für dich?

Ein guter Kapitän geht natürlich in erster Linie mit gutem Beispiel voran und ist ein Vorbild für seine Mitspieler. Du kannst als Kapitän zwar viel erzählen, letztlich musst du allerdings nach den eigenen Worten leben und so auch auftreten. In guten Phasen kann jeder Kapitän sein. Als Vorbild würde mir Jason Kidd einfallen. Bei Olympia war er damals als zwölfter Mann für das Nationalteam der USA dabei. Im Grunde hat er fast gar nicht gespielt. Trotzdem hat er seine ganze Persönlichkeit in den Dienst der Mannschaft gestellt.

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Unangefochtener Chef auf dem Parkett: Kapitän Simon Schmitz.

 

„In Trier kann ich etwas Neues aufbauen“

Mal etwas zu deiner Vergangenheit. Du hast in Bayreuth lange Jahre in der BBL gespielt. Was hat dich letztendlich nach Trier gebracht?

Ich hatte mir zum Ende meiner Zeit in Bayreuth eine Schambeinentzündung zugezogen und musste neun Monate pausieren. Und dann hat sich mir die Frage gestellt, ob ich diese Rolle, die ich in der Mannschaft hatte, weiter so ausfüllen will oder eine neue Herausforderung suche. Sicher hätte ich einen Verein in der BBL finden können, der gegen den Abstieg spielt, und dort meine Minuten bekommen. Hier in Trier habe ich allerdings eine deutlich zentralere Rolle im Verein und kann dabei mithelfen, etwas Neues aufzubauen.

Würdest Du sagen, dass dir diese zentrale Rolle auch als Persönlichkeit mehr liegt als in einer anderen Mannschaft nur „Einer von vielen“ zu sein?

Das auf jeden Fall. Ich bin von vier Geschwistern der Älteste und habe schon früh gelernt, die Arbeit an andere zu delegieren (lacht). Also dieses Koordinieren und Kommunizieren wurde mir sozusagen mit in die Wiege gelegt. Wobei ich in Bayreuth und in Jena auch Kapitän war. Das Amt liegt mir einfach, weil ich weiß, wie man mit Menschen umgeht und vielleicht auch Dinge anspricht, die andere so nicht ansprechen würden. Das mache ich allerdings nicht vom Kapitänsamt abhängig.

Die Gladiators-Fans haben dich – sicherlich auch dafür – bereits sehr ins Herz geschlossen. Was unterscheidet Trier als Stadt und Verein von deinen bisherigen Stationen?

Zunächst einmal das gesamte Vereinsumfeld. Von der Arena bis zur Organisation in der Geschäftsstelle ist das alles schon sehr nah am Optimum. Die Wertschätzung für mich als Spieler ist eine andere, weil ich sportlich mehr im Mittelpunkt stehe. Ich weiß den familiären Charakter sehr zu schätzen und bin im Gegensatz zu anderen Stationen näher an der Heimat dran. An freien Tagen ist es schön, spontan zur Familie fahren zu können.

Du selbst hast bei den Gladiators einen laufenden Vertrag bis 2019. Mit Kilian Dietz und Coach Marco van den Berg haben zwei weitere Säulen des Vereins erst kürzlich ihre Arbeitspapiere verlängert. Wie siehst Du den Basketball in Trier für die Zukunft aufgestellt?

In meiner Vergangenheit hatte ich bei anderen Vereinen oft sehr große Fluktuationen in der Mannschaft. Jede Saison waren im Grunde acht oder neun neue Spieler da. Hier haben wir eine sehr gute Basis mit Leuten, die schon mehrere Jahre im Verein sind. So entsteht Kontinuität und so kann sich die Spielphilosophie vom Coach über den Verlauf einer Spielzeit hinweg im Verein etablieren. Außerdem findest du dich schneller als Team und schaffst Identifikation mit den Fans. Am Ende soll der Verein schließlich ein Gesicht und Werte haben, die saisonübergreifend bestehen bleiben.

„Es ist schön zu wissen, dass da jemand wartet“

Apropos Gesichter des Vereins. Jack Eggleston hat uns erzählt, dass er gerne Schach spielt. Über dich heißt es, Du bist neuerdings auf dem Golfplatz anzutreffen?

Gegen Jack habe ich übrigens auch schon Schach gespielt. Ein Sieg und eine Niederlage. Mit dieser ausgeglichenen Statistik habe ich mich dann zur Ruhe gesetzt (lacht). Was meine Golfkarriere betrifft, so stehe ich natürlich noch ganz am Anfang. Hätte mir vor fünf Jahren jemand gesagt, dass ich heute Golf spiele, hätte ich wahrscheinlich abgewunken. So alt bin ich dann ja doch noch nicht (lacht). Aber es macht mir wirklich viel Spaß und Kevin Smit und ich stehen bei gutem Wetter mittlerweile regelmäßig auf dem Golfplatz. Aktive Regeneration, wenn man so will.

Wo wir schon bei Dingen sind, die dich außerhalb des Courts umtreiben. Hast Du schon Pläne für die Sommerpause nach der Saison?

Im Sommer stehen zwei Junggesellenabschiede von Freunden bevor, die ich gerade organisiere. Die Hochzeiten gehören auch dazu. Ansonsten geht es für mich und meine Frau nach Kroatien. Dort haben wir gemeinsam mit drei befreundeten Pärchen ein Haus gemietet.

Du bist jetzt schon länger als ein Jahr verheiratet. Wie würdest Du sagen hilft dir das auch in Bezug auf den Sport weiter?

Es ist schön zu wissen, dass da nach dem Training oder nach dem Spiel jemand wartet, wenn man nach Hause kommt. Wir helfen uns gegenseitig. Ich unterstütze sie bei ihrem Studium und umgekehrt sie mich beim Basketball. Das habe ich durchaus zu schätzen gelernt.

Letzte Frage: Wer ist zu Hause Kapitän? Du oder deine Frau?

(Lacht) In der Küche bin ich definitiv nur die Hilfskraft. Meine Frau sorgt für die kulinarischen Höhepunkte und ich räume die Küche auf. Bei der Inneneinrichtung überlasse ich ebenfalls gerne meiner Frau das Steuer. Aber was größere Entscheidungen angeht, begegnen wir uns selbstverständlich auf Augenhöhe. Da wiegt keine Meinung mehr als die andere.