“Das wird eine gute Saison mit uns beiden”

Seit Ende Mai ist er der neue Assistant-Coach an der Seite von Christian Held: Marc Hahnemann. Wir haben uns mit dem Coach über seinen neuen Job, den Unterschied zwischen Frauen- und Männerbasketball und seine Tätigkeit bei der Nationalmannschaft unterhalten.

Erstmal natürlich: Herzlich Willkommen bei den RÖMERSTROM Gladiators, Marc! Konntest du dich in Trier schon ein bisschen einleben?

Vielen Dank! Ich wurde sehr gut und sehr freundlich aufgenommen. Ich hatte zu Beginn tatsächlich ein paar Bedenken, was den Wechsel vom Frauenbasketball in den Herrenbereich anbelangt, aber da gab es überhaupt gar keine Probleme. Ich konnte schon meine ersten Trainingseinheiten leiten, also alles gut. Wenn jetzt noch der Umzug vollzogen ist, dann kann es richtig losgehen und da freue ich mich auch drauf.

Zum Thema „Männer- und Frauenbasketball“ kommen wir gleich noch. Lass uns aber zunächst weiter über dich sprechen. Wie sind denn damals die ersten Gespräche mit unserem Headcoach Christian Held verlaufen?

Das allererste Aufeinandertreffen hatte tatsächlich noch gar nichts mit dem Job an sich zu tun. Ich war auch für den Saarländischen Basketballverband tätig und hatte einige Ideen für Kooperationen. Deshalb haben wir uns getroffen und hatten dann meiner Meinung nach ein sehr gutes Gespräch, wo wir uns über Basketball und die verschiedenen Ideen ausgetauscht haben. Es war ein sehr positiver, erster Kontakt. Als es dann um den Asisstant-Job ging, haben wir uns dann sehr professionell gegenüber gestanden. Und diese Professionalität halten wir auch bis heute. Ich leite schon die ein oder andere Individualeinheit, wenn Christian Termine hat oder verhindert ist. Wir arbeiten schon jetzt gut als Team zusammen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass das mit uns beiden eine gute Saison wird (lacht).

Ihr seid ein junges Duo. Zwischen euch liegt kein großer Altersunterschied. Ist das für dich eher ein Vorteil oder ein Nachteil?

Ich denke, auf persönlicher Ebene ist die Tatsache, dass wir beide in einem ähnlichen Alter sind, glaube ich durchaus hilfreich. Wir stehen beide im gleichen Lebenszyklus. Die Kommunikation ist vielleicht etwas leichter. Allgemein ist das Alter für mich aber kein großes Thema. Für mich sind Dinge wichtig wie: Kommen wir fachlich miteinander klar? Kommen wir menschlich miteinander klar? Ich arbeite ja auch bei der Nationalmannschaft und letztes Jahr ja auch bei den Saarlouis Royals mit Hermann Paar zusammen. Der ist ein gutes Stück älter als ich und auch da funktioniert das sehr gut. Letztendlich kommt es darauf an, ob wir die gleiche Basketballsprache sprechen und das fühlt sich derzeit gut an.

Wie siehst du dich als Assistant-Coach? Was würdest du als deinen Aufgabenbereich identifizieren?

Meine Hauptaufgabe, neben Trainingsvorbereitung und -begleitung, ist die Spielanalyse und -vorbereitung, also Videoanalyse. Das habe ich vorher auch schon gemacht, sowohl als Assistant- und Headcoach in Saarlouis, aber auch bei der Nationalmannschaft. Gelernt habe ich das allerdings vorher schon, in meinem Beruf bevor ich Basketballtrainer wurde. Da war ich in einer Spielerberatungsagentur tätig und habe Videos von Spielern erstellt. Habe also für meine jungen Jahre schon einiges an Erfahrung. Ansonsten will ich Christian so gut unterstützen wie möglich, ob beim Training oder beim Spiel. Da muss man natürlich auch sehen, wie sich das entwickelt und was ich übernehmen soll und wieviel Christian selbst machen will. Das kann sich auch von Spiel zu Spiel oder von Training zu Training unterscheiden. Am Ende ist das sicher auch eine Vertrauenssache.

Du warst bei den Saarlouis Royals ja bereits Headcoach. Könnte man den Schritt zum Assistant-Coach nicht auch als Rückschritt betrachten?

Für mich war der Hauptgrund, die Person Christian Held. Ich war persönlich und fachlich überzeugt. Ich habe für mich selbst gemerkt, dass ich da noch so viel mitnehmen kann für die nächsten Jahre, und ich möchte diesen Beruf „Basketballtrainer“ gerne noch ein paar Jahre machen, dass mir das auf lange Sicht noch mehr bringt, als weiter als Headcoach zu arbeiten. Und diese Möglichkeit bestand nach wie vor. Aber für mich ist das reizvoll von Christian lernen zu können. Sicher ist man unterstützend tätig, aber man hat als Assistant auch noch die Möglichkeit viel zu lernen, kann sich Übungen abschauen, schauen wie geht er mit den Spielern um und vieles mehr. Und da kann ich mehr mitnehmen.

Und weiterhin bedeutete der Schritt nach Trier, dass du vom Frauenbasketball in den Herrenbereich gewechselt bist. Was ist für dich der größte Unterschied unabhängig von Physis?

Ein ganz großer Unterschied ist die persönliche Ansprache. Die soziale Komponente ist im Frauenbereich, vor allem teamintern, eine Ecke wichtiger als bei den Männern. Man könnte das auch als Klischee bezeichnen, aber ich habe den Eindruck, dass die zumindest in dem Zusammenhang nicht von ungefähr kommen. Meine persönliche Ansprache im Training ist einfach anders. Man muss vielleicht etwas feinfühliger sein. Ansonsten ist der basketballerische Unterschied gar nicht so groß. Ja, Männer sind athletischer und schneller, aber Frauen sind, meiner Ansicht nach, dafür etwas taktischer und spielen vielleicht sogar den schöneren Basketball.

Glaubst du, dass es für dich ein Vorteil ist, beide Seiten zu kennen?

Jain. Die soziale Komponente ist sicherlich auch bei Männern ein wichtiger Faktor. Ich bin ein großer Gregg Popovich-Fan, der mal gesagt hat, dass er zu 90 % über das normale Privatleben mit seinen Spielern spricht und vielleicht 10 % über Basketball. Aber die Ansprache und Themen über die man spricht sind bei Männern und Frauen einfach anders. Und letztendlich geht es am Ende darum, dass ich in erster Linie meine Aufgaben erfülle (lacht).

Du bist auch bei der Nationalmannschaft tätig. Gibt es große Unterschiede auf nationaler Ebene zu deiner Arbeit im Verein?

Bei den Tätigkeiten an sich nicht wirklich. Nur die Sprache ist in der Nationalmannschaft deutsch. Höchstens mal in stressigen Situationen in einer Auszeit rutscht man mal aus versehen ins Englische, weil man es aus dem Alltag gewöhnt ist (lacht). Aber die Grundarbeit ist gleich. Was bei der Nationalmannschaft dazu kommt ist, dass ein größerer Staff dabei ist. Einen Delegationsleiter und eine Teambetreuerin zum Beispiel. Es gibt weniger Dinge, um die man sich selbst kümmern muss drumherum. Man ist absolut fokussiert auf seine Hauptaufgabe. Man wird eher raus gehalten aus den Angelegenheiten außerhalb des sportlichen. Im Verein möchte man sich selbst auch glaube ich, mehr mit einbringen. Ich will wissen, was drumherum passiert und man will auch dabei sein um Dinge weiterzuentwickeln und zu verbessern. Und das passiert bei der Nationalmannschaft in den kurzen Fenstern nicht.

Und emotional? Was bedeutet es dir in der Nationalmannschaft tätig zu sein?

Das ist schon eine verdammt coole Sache. Als beim ersten Spiel die Nationalhymne gespielt wurde, war das schon ein ziemlicher Gänsehaut-Moment. Das war auch noch ein Spiel in Saarlouis. Meine Freunde und Familie waren da. Das war ein ganz besonderer Moment. Ich bin zwar niemand, der jetzt unglaublich vaterlandsverbunden ist, aber ich bin dennoch stolz deutscher Nationalassistant-Coach zu sein (lacht).

Erzähl uns doch mal etwas zur Situation der Frauen-Nationalmannschaft. Wie ist der Stellenwert des Frauen-Basketballs in Deutschland?

Allgemein gesehen ist der Stellenwert nicht gut. In der öffentlichen Wahrnehmung findet Frauenbasketball nicht statt. Mit den A-Damen versuchen wir da jetzt etwas mehr zu machen, haben eine eigene Facebook- und Instagram-Seite. Da versuchen wir die Fans mitzunehmen. Aber auch da erreichen wir natürlich kein breites Publikum. Ich finde das schade, weil ich der Meinung bin, dass die Frauen sehr schönen Basketball spielen. Da könnte man durchaus mehr machen. Aktuell fehlt dem Frauenbasketball aber eine klare Vision, wie sie z.B. die BBL hat. Man muss einfach schauen, wie sich die DBBL und der DBB positioniert. 

Und die Nationalmannschaft? Was ist da der Stand der Dinge?

Wir haben einen kleinen Umbruch hinter uns oder stecken noch mitten drin. Letztes Jahr im Sommer sind einige ältere Nationalspielerinnen aus der Mannschaft zurückgetreten. Wir haben einen sehr jungen Kader, mit einer WNBA-Spielerin: Marie Gülich. Wir spielen grade die EM-Quali für die EM 2019. Haben da mit Tschechien und Belgien zwei extrem starke Gegner. Die Tschechen sind Nummer 6 der Welt und Belgien ist dritter bei der letzten Europameisterschaft geworden und am Ende qualifiziert sich erstmal nur der Erste der Gruppe. Unser Ziel ist es mit Marie, mit den Talenten die jetzt von den Colleges kommen, zum Beispiel Satou Sabally in Oregon die unfassbar talentiert ist, von der man sagt, dass dort die nächste WNBA-Spielerin folgt, den nächsten Schritt zu machen. Wir sind mit der jetzigen U18, also der U16-Nationalmannschaft letztes Jahr und vor zwei Jahren sehr erfolgreich gewesen. Es kommt also viel Talent nach. Das müssen und wollen wir integrieren. Wir wollen dann in den nächsten Jahren die Qualifikation schaffen und große Turniere spielen.

Du willst auch weiter als Assistant-Coach bei der Nationalmannschaft bleiben, richtig?

Grundsätzlich ja. Wir sind da aktuelle in Gesprächen. Im Sommer ist das etwas einfacher. Während der Saison hat die Nationalmannschaft Quali-Fenster. Da wird das ganze relativ schwierig, da muss man schauen, ob man Lösungen findet. Da sind wir aber grade in Gesprächen, wie gesagt. Das große Ziel ist es auch, dass ich das weiter machen kann und ich möchte es auch sehr gern. Jetzt schauen wir, dass das funktioniert.

Was sind denn deine persönlichen Ziele mit den Gladiators, aber auch als Coach? Wo siehst du dich in drei bis fünf Jahren?

In drei Jahren will ich erstmal meinen Vertrag hier gut erfüllt haben und wissen, dass das Projekt erfolgreich läuft (lacht). Ich würde sehr gerne auch mit Trier aufsteigen, aber da müssen wir neben dem sportlichen auch noch ein paar Rahmenbedingungen schaffen und Auflagen erfüllen, das wird man sehen, ob das in der Zeit möglich ist. Grundsätzlich wollen wir Spieler weiter entwickeln, attraktiven Basketball spielen, der die Fans freut. In fünf Jahren wäre ich eigentlich auch noch gerne hier (lacht). Man muss natürlich sehen, wie erfolgreich wir sind und wie sich das Projekt weiterentwickelt. Langfristig ist es sicher auch ein Ziel nochmal Headcoach zu sein. Das sind aber ferne Ziele. Ich konzentriere mich jetzt erstmal auf die nächsten drei Jahre und meine Aufgaben hier.

Vielen Dank für das Gespräch, Marc.