Exit Interview: Christian Held „Unseren besten Basketball durften wir nicht mehr zeigen“

Headcoach Christian Held (31 Jahre) spricht im Exit-Interview über Lern-Erfahrungen in seinem zweiten Jahr als Cheftrainer, das Aufstehen mit seinen kleinen Kindern und Strategien gegen die Lethargie in Zeiten von Corona.

RÖMERSTROM Gladiators Trier: Christian, wo bist Du gerade?

Christian Held: Ich bin Zuhause, verbringe viel Zeit mit meiner Familie und versuche ein bisschen Sport zu machen. Außerdem arbeite ich Dinge nach, die ich in der Saison nicht so geschafft habe. Ich bleibe Zuhause und kümmere mich um meine Familie.

Was war Deine erste Reaktion als klar war, dass die Saison beendet ist?

Wir haben ein Stück weit mit dieser Entscheidung gerechnet. Ich war nicht sonderlich überrascht. Ich habe mir als erste Reaktion Gedanken darüber gemacht, was mit den Jungs passiert. Wie kommen die Spieler nach Hause? Wie kommen sie zu ihren Familien? Dabei wollte ich sie unterstützen.

Was war Dein schönster Moment in dieser Saison?

Es gibt in jeder Saison jede Menge schöne Momente, die man mitnimmt. Das war teilweise auch im Training so. Die Heimsiege gegen Chemnitz, Jena, zuletzt auch gegen Nürnberg – das hat jeder mitbekommen und es waren tolle Momente. Aber auch im Training: zu sehen, dass wir es als Verein nach der schwierigen Situation mit Marc Hahnemann geschafft haben, da zusammenzustehen und raus zu kommen.

Was war der schwierigste Moment in dieser Saison?

Für uns als Team war es bestimmt das Auswärtsspiel Mitte November in Nürnberg. Das war ein Wendepunkt, wo wir uns zusammengerauft haben. Wir hatten eine schwierige Zeit. Direkt danach schlagen wir Leverkusen zuhause. Dann springt Jonas für Marc ein, Chase kam dazu, vor dem Artland-Spiel. Wir haben direkt nach der schwierigsten Phase eine Serie hingelegt. Wir sind direkt aus der schwierigsten Phase in eine der schönsten Phasen übergegangen. Es war super, das gemeinsam durchzustehen. Es war also zunächst schwierig und dann zugleich sehr schön.

Wie beurteilst Du Deine eigene Leistung in dieser Saison?

Generell bin ich deutlich zufriedener als das letztes Jahr der Fall war. Mein erstes Jahr, da gab es viele Dinge, die ich lernen musste. Auch viele Dinge, die man gar nicht beschleunigen kann. Ich habe von klein auf vieles mitbekommen, aber letztes Jahr war sehr hilfreich und lehrreich. Viele Dinge waren dann in diesem Jahr besser. Als Team haben wir einen Schritt nach vorne gemacht, aber das gilt auch für mich als Trainer. Deshalb bin ich recht zufrieden. Wir wollten in den Playoffs unseren besten Basketball spielen und hatten jetzt im Spiel gegen Nürnberg erstmals das Gefühl, unsere offensiven und defensiven Ziele gleichzeitig umsetzen zu können. Aus sportlicher Sicht ist es natürlich sehr schade, dass wir das jetzt nicht mehr zeigen konnten.

Was hast Du in dieser Saison gelernt oder verbessert?

Was wir deutlich anders gemacht haben ist, dass wir uns vor der Saison hingesetzt und festgestellt haben: Wir können in Sachen Qualität und Budgets nicht mit allen Teams in dieser Liga mithalten. Also mussten wir etwas anders machen. Wir haben uns eine Art der Verteidigung ausgesucht, die viele Gegner vor Probleme stellen sollte. Das war für einzelne Gegner sehr schwer zu lösen.

Wie sehen Deine Tage aktuell aus?

Ich stehe gegen Sieben oder halb Sieben mit meinen Kindern auf. Häufiger halb Sieben als Sieben (lacht)… Wir spielen ein bisschen, verbringen Zeit zusammen. Sie frühstücken, ich mache mein Workout, setze mich zwei, drei Stunden an den Computer, um etwas zu arbeiten. Wenn es das Wetter zulässt, gehen wir raus in den Wald. Oder wir spielen nochmal Zuhause gemeinsam. Abends setze ich mich meistens nochmal hin, um noch ein bisschen was zu machen. Und den Abend verbringe ich dann mit meiner Frau und genieße, dass wir viel Zeit haben uns auszutauschen. Das ist sonst in der Saison eher nicht so der Fall.

Was empfiehlst Du unseren Fans, um sinnvoll Zeit totzuschlagen?

Was ich immer sehr genieße ist es, Dinge aufzuarbeiten, sich weiterzubilden, mal ein Buch zu lesen. Man muss sich Aufgaben suchen, eine gewisse Form von geregeltem Alltag beibehalten. Sport machen, auf die Ernährung achten, nicht in eine Lethargie verfallen.

Was ist Deine Botschaft an alle Fans da draußen? 

Allen, die dennoch arbeiten und rausgehen müssen, denen sage ich vielen Dank, dass sie den Laden am Laufen halten. Für alle anderen geht es darum, diese Leute weitestgehend zu unterstützen, sich an die Vorgaben zu halten, möglichst viel Zuhause zu bleiben. An alle, denen das in dieser schwierigen Situation möglich ist, die Bitte, die StandAsOne30-Kampagne zu unterstützen. Damit wir uns hoffentlich zur neuen Saison in der Arena wiedertreffen und gemeinsam feiern können, dass wir diese schwierigen Zeiten gemeinsam überstanden haben.

Alle Informationen zu StandAsOne30 findet Ihr unter https://römerstrom-gladiators.de/standasone30/ bei Facebook und Instagram. Bleibt gesund.