Exit-Interview Kilian Dietz: „So früh war eine Saison für mich noch nie beendet”

Nach anfänglichem Verletzungspech war Kilian Dietz (29 Jahre) ein Anker der RÖMERSTROM Gladiators Trier, insbesondere in den Bereichen Verteidigung und Rebound. Im Exit-Interview erzählt der Center (3,4 Punkte und 3,1 Rebounds in durchschnittlich 12,4 Minuten pro Partie) von seinem bestens ausgestatteten Home-Gym, der Wichtigkeit von aktiver Regeneration und den Büchern, die er jetzt lesen will.

RÖMERSTROM Gladiators Trier: Kili, wo bist Du gerade?

Kilian Dietz: Ich bin im wunderschönen Bernkastel-Wehlen, in einer Wohnung in der Nähe meiner Eltern, damit die soziale Isolation nicht zu krass ist. Denn auch bei so tollem Wetter sollte man sich nicht draußen herumtreiben.

Was war Deine erste Reaktion als klar war, dass die Saison beendet ist?

Eine innere Leere. Man weiß, dass die Saison zu Ende ist, realisiert es aber nicht ganz so. Denn das war ja eine vollkommen neue Situation. So früh war noch nie eine Basketball-Saison für mich beendet. Anfang März unser letztes Saisonspiel, das muss man sich mal vorstellen. Aber hier handelt es sich nicht um ein „Basketball-Problem“, es ist ein „Welt-Problem“, will ich mal sagen. Das ist etwas, was alle betrifft, nicht nur Basketballer. Es war schwierig, direkt zu realisieren, dass wir a) hilflos sind und b) ist das Ende einer Basketball-Saison nie einfach für einen Profi. 75 bis 80% der sozialen Kontakte des vergangenen Jahres fallen weg. Während der Saison bist du mit 15 bis 20 Jungs isoliert – Mitspieler, Coaches, Physios – mit denen du durch ganz Deutschland tourst. Das ist eine Umgewöhnung und in den ersten Tagen immer ein bisschen komisch. So früh im Jahr, das macht es nicht besser.

Was war Dein schönster Moment in dieser Saison? Was wirst Du nicht vergessen?

Jedes Heimspiel ist ein schöner Moment. Aber auch unsere Siegesserie war super. Die Energie, die Harmonie, wie alles geklickt hat und wir uns auf dem Feld quasi blind verstanden haben – das werde ich so schnell nicht vergessen.

Was war der schwierigste Moment in dieser Saison?

Es gibt zwei schwierige Momente. Zum einen wie schnell und abrupt es jetzt hier zu Ende gegangen ist. Das lag nicht in unserer Hand, wann die Saison zu Ende ist. Persönlich war mein Ziel, nach zwei von Verletzungen geplagten Jahren, die ganze Saison fit zu sein. Ich war dann früh verletzt, habe aber dann kein Spiel mehr verpasst. Die frühe Verletzung war mies, aber ich konnte dann verletzungsfrei durch den Rest der Saison gehen.

Wie beurteilst Du Deine eigene Leistung in dieser Saison?

Du fragst mich Sachen… Das war wieder eine Steigerung, im Vergleich zum letzten Jahr. Letztes Jahr war nicht unbedingt so dolle. Ich war davor lange verletzt und habe oft an mir selbst gezweifelt. Dieses Jahr war wieder eine deutliche Steigerung. Alles ist wiedergekommen und ich glaube, es war ganz okay.

Was hast Du in dieser Saison gelernt oder verbessert?

Ich habe ein komplett neues Defensiv-System kennengelernt, wie ich es noch nie gespielt habe. Es hat seine Zeit gedauert, bis ich da persönlich reinkam. Wir mussten erst Vertrauen in das System fassen, Zweifel beseitigen. Das hatten wir verinnerlicht, haben uns einfach wohl damit gefühlt. Und ich habe nochmal intensiver gelernt, wie viel Einfluss aktive Regeneration nach dem Training auf deinen Körper hast und wie du damit kleineren Verletzungen komplett aus dem Weg gehen kannst.

Wie sehen Deine Tage aktuell aus, mit den ganzen Einschränkungen durch das Virus?

Momentan stehe ich gegen 8 Uhr auf, räume erstmal ein bisschen die Wohnung auf. Ich habe mir hier ein ganz feines Home Gym eingerichtet, da trainiere ich für 1,5 Stunden. Meine Eltern haben einen ganz schönen Garten, den man bei diesem Wetter ja auch mal nutzen kann, trotz Quarantäne. Ich versuche relativ wenig Netflix zu schauen. Ich habe hier tatsächlich sogar zwei, drei Bücher liegen, um die ich mich mal kümmern möchte. Es sind drei Biografien: Einmal „The Great Nowitzki“, wahnsinnig gut geschrieben. Dann „God and Starbucks“, über Vin Baker. Und „Eleven Rings“, von Phil Jackson.

Wie ist Dein Home Gym ausgestattet?

Ich habe eigentlich alles. Langhanteln, viel Freigewicht, eine Pull Up Stange, ein Sprungseil, ein Laufband, ein Fahrrad, diverse Mini-Bänder, eine Yoga-Matte… Lauter solcher Kram (lacht). Auch ein Balance Pad habe ich, da sitze ich den halben Tag drauf.

Was empfiehlst Du unseren Fans, um sinnvoll Zeit totzuschlagen?

Haltet Euch an diese gottverdammten Richtlinien, die zurzeit gelten. Das ist das Wichtigste, auf sich selbst und seine Mitmenschen aufzupassen. Auch sich gegenseitig zu helfen ist wichtig, wenn das möglich und von Nöten ist. Findet Möglichkeiten, trotzdem soziale Kontakte zu pflegen, mit Telefonaten, FaceTime und so weiter. Hin und wieder ein bisschen Sport schade auch nicht (lacht).

Welches Lied gehört auf eine Motivations-Playlist?

 „Win“ von Jay Rock zur Motivation, „Good News“ von Mac Miller für die gute Laune.

Was ist Deine Botschaft an alle Fans da draußen? 

Unterstützt einander, seid lieb zueinander – und wenn Ihr weiterhin Lust auf Basketball habt, unterstützt auch uns und den Verein. Sagt es Euren Freunden und Bekannten, teilt es auf den sozialen Plattformen und ich hoffe wir sehen uns auch in der kommenden Saison wieder. #standasone30Alle Informationen zu StandAsOne30 findet Ihr unter https://römerstrom-gladiators.de/standasone30/ bei Facebook und Instagram. Bleibt gesund.