Exit-Interview Jonas Borschel: „Ich konnte unglaublich viel von Christian Held lernen“

Seit knapp zwei Jahren ist Jonas Borschel (31 Jahre) Teil der RÖMERSTROM Gladiators Trier. Nach Anfängen im Jugendbereich ist er seit dieser Saison Assistant Coach der Trierer Basketball-Profis. Im Exit-Interview spricht der gebürtige Kasseler über gleich mehrere wichtige Momente in der Saison, die Vor – und Nachbereitung eines Ligaspiels und über eines der besten Rap-Alben aller Zeiten.

RÖMERSTROM Gladiators Trier: Jonas, wo bist Du und wie geht es Dir aktuell?

Jonas Borschel: Mir geht es gut. Ich bin in meiner zweiten Heimat Oldenburg bei einem guten Freund mit großer Wohnung. Meine Eltern gehören zur Risikogruppe, daher ist ein Besuch bei ihnen leider nicht möglich.

Was war Deine erste Reaktion, als klar war, dass die Saison beendet ist?

Meine erste Reaktion war ein gewisser Unglaube. Ich wollte das ein Stück weit einfach nicht wahrhaben, dass die Saison jetzt so plötzlich endet. Wir hatten zwar damit gerechnet, da viele andere Sportligen bereits den Spielbetrieb eingestellt hatten aber sowas gab es ja noch nie. Ich war auch ein wenig traurig, da wir gerade in einer sehr guten Verfassung waren und gegen Nürnberg im letzten Spiel sehr gut gespielt haben. Wir waren sportlich langsam auf Top-Niveau und da ist es natürlich traurig, die Saison nicht zu Ende spielen zu können. Aber man muss es so akzeptieren und das machen wir auch.

Was war Dein schönster Moment in dieser Saison?

Da gab es sogar zwei wichtige und schöne Momente für mich. Zum einen war das die Situation, in der ich für Marc Hahnemann als Co-Trainer zum Team gestoßen bin. Es lief sportlich sehr gut zu der Zeit und die Stimmung im Team war absolut top. Ich konnte direkt an diesen Erfolgen teilhaben und das war ein sehr schöner Start. Der zweite wichtige Moment war das Erreichen der Playoffs durch die JBBL. Ich habe selber ja lange mit dem Team gearbeitet und so war ich schon ein Stück weit stolz, als die Mannschaft dieses Ziel erreicht hat. Dieser Erfolg war ein Prozess und ich bin froh und stolz daran mitgewirkt zu haben.

Was war der schwierigste Moment in dieser Saison?

Auch hier gab es zwei Momente die mir in Erinnerung geblieben sind. Schwierig war die Phase nach dem Heimspiel gegen Heidelberg. Wir hatten in der Verlängerung verloren und gleich im nächsten Spiel in Paderborn keine gute Leistung gezeigt. Auch die Spiele gegen Jena und Hagen danach gingen verloren und es war eine allgemein schwierige Situation. Hier konnte ich jedoch sehr viel von und mit Christian Held lernen. Er hat diese Situation super gehandhabt und es ist uns letztlich auch gelungen aus dieser Phase herauszukommen, was man gegen Nürnberg gesehen hat. Der zweite schwierige Moment liegt schon etwas weiter zurück, und zwar war das die Entscheidung die Jugend zu verlassen und Co-Trainer bei den Profis zu werden. In der Jugend hatten wir mit Kevin Ney und David Weidert eine hervorragende Konstellation aus Jugendtrainern und es hat großen Spaß gemacht die Jugendteams zu betreuen. Es war keine leichte Entscheidung, aber ich habe sie noch nicht bereut.

Wie beurteilst Du Deine eigene Leistung in dieser Saison?

Ich finde es ganz schwer, sowas selbst zu bewerten. Da müsstet ihr mal Christian Held fragen, ob er mit meiner Leistung zufrieden war (lacht). Ich habe einfach versucht mich so gut es geht einzubringen und schnell ins Team zu finden. Es sollte einfach so wenig Zeit wie möglich beanspruchen mich auf die Mannschaft und andersherum einzustellen.

Was hast Du in dieser Saison gelernt?

Ich konnte unglaublich viel von Christian Held lernen. Besonders in Vor-und Nachbereitung der Spiele konnte ich mir extrem viel von ihm abschauen. Klar, ich hatte auch im Nachwuchsbereich schon mit Video-Vorbereitung zu tun aber im Profibereich fällt das ganze doch sehr viel detaillierter und umfangreicher aus. Während man im Nachwuchsbereich vielleicht mal das letzte Spiel des nächsten Gegners schaut, befassen wir uns bei den Profis mit den letzten drei, vier Spielen und gehen viel tiefer in die offensiven und defensiven Feinheiten. Dadurch hat sich auch mein taktisches Verständnis nochmal ein gutes Stück weiterentwickelt.

Wie sehen Deine Tage aktuell aus, mit den ganzen Einschränkungen durch das Virus?

Ich versuche, so gut es geht, mental und körperlich fit zu bleiben. Man sollte jetzt nicht in Lethargie verfallen und den ganzen Tag nichts tun. Ich mache jeden Tag Sport, gehe laufen oder fahre mit dem Fahrrad. Zuhause mache ich zusätzlich noch ein paar Workouts. Ansonsten lese ich viel bereite Dinge aus der Saison auf, die bisher noch liegengeblieben sind. Auch den Kontakt zu Familie und Freunden versuche ich aufrecht zu erhalten, soweit das aktuell möglich ist.

Was empfiehlst Du unseren Fans, um sinnvoll Zeit totzuschlagen?

Es ist eine gute Zeit, Sachen zu erledigen die man im Alltag vor sich herschiebt. So kann man sich einen gewissen Alltag erhalten. Auch die Kontakte zu Familie und Freunden zu pflegen halte ich für extrem wichtig. Auf jeden Fall sollte man auf sich aufpassen damit man gesund durch diese Zeit kommt und sich etwas suchen um die Tage mit Sinn zu füllen.

Wie hältst Du Dich trotz der ganzen Beschränkungen einigermaßen fit?

Durch unseren Fitness-Partner LuxFit habe ich eine individuelle Übungsreihe an der ich mich aktuell orientiere. Das Programm ist perfekt auf mich abgestimmt und ich kann es mit einer Klimmzugstange und der Yoga-Matte einfach zuhause machen. Jeden zweiten Tag mache ich dieses Programm, die anderen Tage gehe ich raus und jogge oder mache andere Cardio-Workouts. So hab ich jeden Tag zumindest ein bisschen Sport gemacht und danach fühlt man sich auch deutlich besser.

Welches Lied gehört auf Deine Motivations-Playlist?

“You know my Steez” von einem der besten Rap-Alben aller Zeiten – Moment of Truth. Der Interpret ist natürlich Gangstarr!

Was ist Deine Botschaft an die Fans da draußen?

Zuerst einmal: passt auf Euch auf und bleibt gesund! Vertraut den Wissenschaftlern und vertraut auf die Schritte die nötig sind um durch diese Krise zu kommen! Was uns betrifft, sind wir über jede Unterstützung dankbar, die gebracht werden kann. In der Zeit in Trier habe ich schnell gemerkt wie verwurzelt der Profibasketball in der Stadt und der Region ist. Viele Menschen hier würden die Gladiators auf jeden Fall vermissen. Wenn Ihr in dieser Krise ein paar Euro über habt, spendet sie bitte. Meine Mutter ist auch schon dabei und meinen Vater werde ich auch noch überzeugen (lacht). Wenn wir alle zusammenhalten schaffen wir es nicht nur durch diese Zeit sondern auch, den Basketball in Trier am Leben zu erhalten.