Exit-Interview Jermaine Bucknor: „Es fehlt einfach etwas“

Jermaine Bucknor (36 Jahre) gehört seit Jahren zum festen Inventar der RÖMERSTROM Gladiators. Im Exit-Interview spricht der Power Forward (9,3 Punkte in 21:57 Minuten pro Spiel) über seine neue Rolle, kreative Gym-Ideen und StandAsOne30.

Buck, wo bist Du und wie geht es Dir aktuell?

Ich bin in Trier. Auch wenn es keine leichte Zeit ist, geht es mir gut. Ich fühle mich gesund und fit.

Was war Deine erste Reaktion, als klar war, dass die Saison beendet ist?

Im ersten Moment war ich wirklich schockiert. Man hat es zu diesem Zeitpunkt zwar schon geahnt, aber ich war trotzdem wirklich geschockt. Sowas hat es ja noch nie gegeben. Man denkt dann natürlich auch an die ganze Arbeit, die man in die Saison gesteckt hat, um seine Ziele zu erreichen. Jetzt, ein bisschen später, weiß man, dass es definitiv die richtige Entscheidung gewesen ist. Trotzdem hätten wir alle gerne die wichtigen, letzten Spiele der Saison gespielt. Es fehlt einfach etwas.

Was war Dein schönster Moment in dieser Saison? Was wirst Du nicht vergessen?

Das ist schwierig… Ich denke unser letztes Spiel, das war mein Highlight. Man hat richtig gemerkt, wie es im Team geklickt hat und wir nochmal einen Schritt nach vorne gemacht haben. Wir haben die ganze Woche sehr gut trainiert und konnten die Vorgaben der Coaches sehr gut umsetzen. Nach dem Spiel war mir klar, dass diese Saison sehr erfolgreich werden kann, wenn es uns gelingt dieses Niveau in den Playoffs zu halten. Es ist natürlich schade, dass genau dann die Saison so abrupt endet.

Was war der schwierigste Moment in dieser Saison?

Das war wahrscheinlich der Tag an dem das Auswärtsspiel in Rostock abgesagt wurde. Das Spiel sollte an einem Freitag stattfinden, wir wären Donnerstag nach Rostock gereist. Mittwochabend kam dann die Nachricht, dass das Spiel abgesagt wurde, nachdem vorher überlegt worden war, ohne Zuschauer zu spielen. Ich glaube in diesem Moment habe ich erstmals realisiert, was da noch alles kommen kann. 

Natürlich waren auch die knappen Niederlagen inklusive Buzzerbeater gegen Karlsruhe zu Saisonbeginn und zuletzt gegen Jena sehr bitter. Aber das Ende der Saison, vor allem unter diesen Umständen, war definitiv der schwerste Moment der Saison.

Wie beurteilst Du Deine eigene Leistung in dieser Saison?

Dieses Jahr hatte ich eine andere Rolle als bisher. Es hat etwas gedauert, mich daran zu gewöhnen und diese Rolle richtig auszufüllen. Zum Ende der Saison lief es deutlich besser, so etwas braucht immer etwas Zeit. Ich habe im Laufe der Spiele immer besser verstanden, was die Coaches von mir wollen und das Team von mir braucht. Am Ende kam ich dann in meinen Groove und war viel zufriedener mit meinen Leistungen. Mir war es am wichtigsten meine neue Rolle so zu spielen, dass das Team erfolgreich ist. Wir hatten einige tolle Erfolge in dieser Saison und darum denke ich, dass ich das ganz gut hinbekommen habe (lacht).

Was hast Du in dieser Saison verbessert?

Mein Spielverständnis ist noch einmal besser geworden. Ich musste mich an meine neue Rolle gewöhnen und verstehen, wie ich diese am besten ausfülle. Ich musste auf dem Feld bessere Entscheidungen treffen, um meine Mitspieler in Szene zu setzen. Wir hatten diese Saison mit Jordan Geist und Till Gloger zwei sehr gute Scorer im Team, daher brauchten wir weniger Punkte von mir, um erfolgreich zu sein. Wenn einer oder sogar beide mal einen schlechten Tag hatten, mussten wir das als Team auffangen. In diesen Momenten ist es mein Job, Verantwortung zu übernehmen und dem Team Sicherheit zu geben. 

Wie sehen Deine Tage aktuell aus, mit den ganzen Einschränkungen durch das Virus?

Ich stehe jeden Morgen relativ früh auf und trainiere zuhause oder draußen im Freien. In der jetzigen Situation ist es sehr wichtig, seinen Geist und Körper zu beschäftigen. Ich lese sehr viel und lerne online weiter Deutsch. Über Social Media oder Telefon halte ich Kontakt zu Freunden und Familie, das ist mir in dieser Zeit sehr wichtig.

Was empfiehlst Du unseren Fans, um sinnvoll Zeit totzuschlagen?

Nutzt die Zeit zuhause, um den Kontakt zu alten Freunden und Bekannten wieder aufleben zu lassen. Wir alle sollten aktuell zuhause sein und man hat die Zeit, nochmal ein langes Gespräch mit einem alten Kollegen, Mitschüler oder entfernten Verwandten zu führen. In der aktuellen Situation merkt man, wie schnell sich vieles verändern kann und wie wichtig Zusammenhalt ist. Es ist für viele Menschen sowohl gesundheitlich als auch finanziell eine schwere Zeit. Da hilft es vielleicht, nochmal in Erinnerungen zu schwelgen und die Zeit für seine Liebsten zu nutzen. 

Wie hältst Du Dich trotz der ganzen Beschränkungen einigermaßen fit?

Ich bin schon sehr kreativ geworden (lacht). Ich habe meine Wohnung in ein kleines Gym verwandelt. Das war gar nicht so einfach wie gedacht, aber ich habe es gut hinbekommen (lacht). Um eine gewisse Abwechslung zu bekommen gehe ich aber auch gerne raus und mache ein Workout oder jogge einfach. Man findet mittlerweile auch viele sehr gute Sachen online. Viele Menschen, die auch wirklich Ahnung davon haben, stellen Videos mit Home-Workouts ins Netz. Es ist super, dass es diese Möglichkeit gibt und es ist auch mit Sicherheit für jeden etwas dabei. Ansonsten muss man kreativ werden und sich ein kleines Gym einrichten – so wie ich (lacht).

Welches Lied gehört auf Deine Motivations-Playlist?

Zuletzt habe ich wieder mehr Oldschool-Rap gehört, deshalb sage ich „All about the Benjamins“ von Puff Daddy. 

Was ist Deine Botschaft an die Fans da draußen?

Zuerst möchte ich jedem Fan danken, der für StandAsOne30 gespendet hat. Es ist wirklich unglaublich, wie viele Menschen für den Basketball in Trier kämpfen. Gerade in so schweren Zeiten wie sie aktuell herrschen. Wir alle sind unendlich dankbar für die Unterstützung. Selbst wenn man vielleicht gerade nicht das Geld übrig hat, haben sich viele Menschen eingebracht und die Aktion gepusht. Es ist wirklich besonders, wenn man sieht wie das alles gewachsen ist. Seitdem ich wieder in Trier bin habe ich das Gefühl, dass die Fans Jahr für Jahr noch mehr für den Verein geben. Das macht mich unglaublich glücklich und ich hoffe, dass wir uns bald in der Arena wiedersehen. Bleibt alle gesund!