„Für die kommenden Jahre sind einige Dinge in Planung“

Jugendkoordinator Kevin Ney und JBBL – Headcoach Pascal Heinrichs sind zwei von nur sechs Absolventen, die sich künftig „Elitetrainer im Nachwuchsbasketball“ nennen dürfen. Beide schlossen ihre dreijährige Nachwuchstrainer-Ausbildung beim Deutschen Basketball Ausbildungs Fonds e.V. ab. Im großen Interview sprechen die beiden Coaches ausführlich über ihre Hospitationen, die Ausbildungsinhalte und ihre weiteren Ziele.

Erstmal herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Elitetrainer-Ausbildung. Ihr habt in den letzten drei Jahren sehr viel Zeit und Arbeit in die Ausbildung investiert. Was macht einen Elitetrainer aus und wo liegt der Unterschied zu Trainern, die diese Qualifikation nicht haben?

Kevin Ney: Jedes Jahr werden nur maximal sechs bis acht Personen ausgewählt, die zu dieser Ausbildung zugelassen werden. Der große Unterschied zur normalen B- oder A-Lizenz liegt einfach ganz klar in der Intensität der Ausbildung. Während die Inhalte für die normalen Trainerlizenzen in einwöchigen Lehrgängen vermittelt werden, ist die Elitetrainer-Ausbildung auf drei Jahre angelegt. Dementsprechend musste man sich natürlich deutlich intensiver mit den Schwerpunkten der einzelnen Module befassen und umfangreiche Hausarbeiten einreichen, die dann an den Präsenzterminen besprochen wurden. Diese Präsenztermine fanden immer in Berlin oder München statt, also war auch die An- und Abreise sehr zeitintensiv.

Pascal Heinrichs: Ich persönlich sehe die Elitetrainer-Ausbildung eher als sehr umfangreiche Fortbildung zu den klassischen Trainerlizenzen. Ein großer Unterschied liegt auch in der Auswahl der Referenten. Während die Referenten bei den klassischen Lizenzlehrgängen fast ausschließlich aus dem Basketball kommen, schaut man bei der Elitetrainer-Ausbildung auch sehr weit über den Tellerrand hinaus. So hatten wir zum Beispiel Lehrgänge mit professionellen Athletiktrainern und Sportpsychologen.

Wie kann man sich diese Präsenzveranstaltungen, bei denen ihr euch ja sogar kennengelernt habt, vorstellen?

Pascal Heinrichs: Vormittags beginnen diese Präsenztermine mit Seminaren zu bestimmten Themen. Das sind nicht nur Vorträge, es wird schon erwartet, dass man aktiv an den Seminaren teilnimmt. Nachmittags gab es dann meist eine Trainingseinheit in der Halle. Dort wurden die vermittelten Inhalte umgesetzt und man erhält dort direkt ein Feedback. Es wird aufgrund der geringen Teilnehmerzahl sehr genau darauf geachtet, dass man die Inhalte richtig umsetzt.

Kevin Ney: Ein wichtiger Aspekt ist das Networking untereinander, weswegen auch Teambuilding-Events dazugehören. Wir waren beispielsweise Paintball spielen und Kanu fahren. Auch hatten wir so genannte Expertengespräche, bei denen uns beispielsweise der ehemalige National-Center Patrick Femerling einige Einblicke in seine Karriere gegeben hat. 

Ihr habt beide während der Ausbildung einige Hospitationen geleistet, unter anderem bei bekannten Bundesligatrainern wie John Patrick, Aito Garcia oder Thomas Päch. Was konntet ihr da mitnehmen, insbesondere auf die Arbeit im Nachwuchsbereich bezogen?

Kevin Ney: Ich war bei den Riesen Ludwigsburg und Alba Berlin und habe dort nicht nur mit den Profi-Coaches sprechen können, sondern auch gute Einblicke in die jeweiligen Jugendprogramme bekommen. Beide Standorte gehören ja nicht nur bei den Profis zur absoluten Elite, sondern auch die NBBL und JBBL Teams spielen jedes Jahr ganz oben mit. In den Bereichen Individualtraining, Krafttraining und der Strukturierung regulärer Trainingseinheiten kann man sehr viel von diesen Programmen lernen. Man hat immer die Möglichkeit mit den jeweiligen Trainern über besondere Aspekte der jeweiligen Einheit zu sprechen und alle Coaches, die ich im Rahmen der Hospitationen kennengelernt habe, waren sehr offen und extrem hilfsbereit. In Berlin beispielsweise konnte ich alle Altersstufen, angefangen in der Kita bis zu den Profis begleiten. Da findet man natürlich viele Dinge, die man auf den eigenen Standort übertragen kann. In der U18 Nationalmannschaft, bei der ich ebenfalls hospitiert habe, konnte ich auch selber an den Trainingseinheiten als Coach mitwirken, was unglaublich hilfreich war.

Pascal Heinrichs: Ich habe bei der U20 Nationalmannschaft während der Heim-EM in Chemnitz hospitiert und wurde dort zum Beispiel ins Spieler-Scouting eingebunden. Auch war ich in Bamberg und konnte dort gute Einblicke in das Programm sammeln. Besonders interessant waren meine Stationen bei der TSG Hoffenheim im Fußball und Adler Mannheim im Eishockey. Klar, beim Fußball merkt man schnell, dass dort sehr viel Geld in die Jugend investiert wird, jedes Team hat beispielsweise einen eigenen Athletiktrainer. Bei Adler Mannheim hat mich vor allem Frank Fischöder, ehemaliger U20 Trainer und heutiger Chefcoach der Nürnberger Profi-Eishockeyspieler, extrem beeindruckt. Wie er mit seinen Spielern umgeht, auch wenn diese Schlittschuhe anhaben, ist sehr gut auf junge Basketballer zu übertragen. Dort wird sehr viel Wert auf Details gelegt und einfach eine hervorragende Arbeit mit jungen Top-Talenten geleistet. 

Pascal, Du warst sogar in Australien bei gleich mehreren großen Basketballstandorten. Wo liegen die Unterschiede zu europäischen Ausbildungsprogrammen?

Pascal Heinrichs: In Australien hatte ich gleich mehrere Termine täglich, konnte Trainingseinheiten diverser Sportteams begleiten oder mich in längeren Gesprächen mit Profisportlern, Coaches und Jugendspielern austauschen. Sehr interessant fand ich, dass es dort sogenannte Skill-Acquisition-Coaches gibt, die Trainings-Drills erarbeiten und auf ihre Effizienz hin analysieren. Dort kann man sehr viel für die allgemeine Strukturierung eines guten Trainings lernen. In Melbourne, Brisbane und Sydney konnte ich die Profi-Basketballer begleiten, die Sydney Kings wurden in dieser Saison sogar australischer Meister. Besonders beeindruckt hat mich das Australian Institute of Sports, inklusive NBA Global Academy und eigenem Klinikum für die Jugendspieler diverser australischer Sportarten. An der NBA Academy spielen die wohl talentiertesten Nachwuchsbasketballer, die ich je gesehen habe. Die U16 Teams spielen beispielsweise gegen die U18 von Barcelona und schlagen diese mühelos mit 20 Punkten Differenz. Dies sind hochtalentierte Spieler, die in ihren Heimatländern oft nicht auf diesem hohen Niveau gefördert werden können. Aber auch die australischen Basketballtalente waren sehr gut ausgebildet. Dort ist die Sportwissenschaft einfach noch weiter entwickelt, als es in Europa der Fall ist.

Insgesamt gibt es nur sechs Absolventen bundesweit. Was sind die größten Herausforderungen bei der Elitetrainer-Ausbildung und worauf wird von den Prüfern besonders geachtet?

Kevin Ney: Networking ist sehr wichtig, man soll sich ein breites Netzwerk aufbauen und dies ist bei dieser Elitetrainer-Ausbildung natürlich auch sehr gut möglich. Auch ist eine Feedback-Kultur ungemein wichtig, damit man eine schnelle und gute Kommunikation mit den Spielern im Training aufbauen kann. Ein guter Coach braucht einfach ein Gefühl für seine Mannschaft und muss wissen, wie man die einzelnen Spieler erreicht. Es sind viele Details, auf die besonders großer Wert gelegt wird. Ebenfalls sehr wichtig ist, dass man sich selbst darüber im Klaren ist, was man von den Spielern erwartet. Es soll eine detaillierte Vorstellung davon entwickelt werden, wie die einzelnen Drills auszusehen haben und welche Ziele man damit erreichen möchte. Darauf wird dann auch in der Prüfung das Hauptaugenmerk gelegt. Wenn man sich, wie ich, als Nachwuchskoordinator bewirbt sind beispielsweise Dinge wie der Aufbau eines Nachwuchsstandortes essentiell wichtig. Aufgrund der hohen Intensität und des hohen Arbeitspensums ist es eine der größten Herausforderungen seinen Pflichten im Verein weiterhin vollständig nachzukommen und dabei eine gewisse Work-Life-Balance zu erreichen. Da die Präsenztermine auch immer über sieben Tage liefen, war das nicht immer einfach.

Pascal Heinrichs: Ich denke, ein wichtiger Aspekt der Prüfer ist auch, dass man den deutschen Basketball in Zukunft etwas verändern möchte. Es geht darum offener für andere Trainingsmethoden und Möglichkeiten der Trainingssteuerung zu werden. Der häufigste Satz in der Ausbildung war: „Es gibt kein richtig oder falsch“. Man muss seine Entscheidungen begründen können und alles selbst hinterfragen. Daher auch die vielen Hospitationen, man soll lernen offener für äußere Einflüsse zu werden. Wie Kevin bereits sagte, ist die Feedback-Kultur ein extrem wichtiger Faktor. Eine sehr große Herausforderung war tatsächlich, dass die Ausbilder die Coaches bei ihren Schwächen gepackt haben. Jeder Coach hat offensichtliche Stärken und Schwächen und auf die Schwächen wird von den Ausbildern und Prüfern sehr individuell eingegangen. Bei mir war das beispielsweise, dass ich viele Dinge instinktiv richtig gemacht habe, aber in der sportwissenschaftlichen Analyse und Begründung der einzelnen Schritte hatte ich einfach Defizite. Aufgrund dieser Fokussierung auf die Schwächen der Coaches ist da natürlich auch ein extremer Lerneffekt.

ProA-Headcoach Marco van den Berg legt großen Wert auf die Jugendarbeit im Verein. Wie schätzt ihr das Potenzial in den Jugendteams ein und gibt es ein einheitliches Konzept, mit dem ihr die Jugendspieler auf den Profikader vorbereitet?

Pascal HeinrichsSelbstverständlich. Marco hat nicht nur bei den Profis die Invictus-Philosophie etabliert, auch in der JBBL wird bereits nach diesem Konzept gearbeitet. In der NBBL ist es sowieso noch näher an den Profis dran. Invictus zeichnet aus, dass wir hart aber fair spielen und niemals aufgeben. Dort legen wir den Grundstein bereits in der JBBL. Basketballerisch ist es ebenfalls ein ähnliches Konzept, jedoch an die Altersklassen angepasst. Zum Beispiel ist das Rebounding eine große basketballerische Komponente des Invictus-Programms. Es geht nicht nur darum mit vollem Einsatz zum Rebound zu gehen, sondern das Rebounding wirklich zu trainieren. Damit die Spieler im Profikader genau diese Skills mitbringen können, ist es einfach wichtig, diese Inhalte so früh wie möglich zu vermitteln und die Jungs damit auf die Anforderungen im Profikader vorzubereiten. Es hilft natürlich extrem, dass Marco in dem Bereich sehr offen und kommunikativ auftritt und wir uns gegenseitig helfen können. Auch bringt er viele Ideen ein, die wir in unsere Trainingspläne mit einfließen lassen können. 

Kevin Ney: Ich schätze das Potenzial sehr gut ein. Wir merken gerade, dass unsere Spielerpools immer größer werden, was sich natürlich auch extrem positiv auf die letztendlichen Teams auswirkt. Wir haben über 30 Grundschul-AGs mittlerweile, wo auch in den nächsten Jahren nochmal ein großer Zulauf in den Leistungsteams zu erwarten ist. Bei mehr talentierten Jugendlichen kommen natürlich am Ende auch deutlich mehr Talente ganz oben an. Für die nächsten Jahre sind einige Dinge in Planung, wie zum Beispiel eine leistungsorientierte U14 im Verein zu etablieren um die Jungs schon auf die JBBL vorbereiten zu können. Natürlich gibt es, wie Pascal schon sagte, eine enge Zusammenarbeit mit Marco und dem Profiteam. Für uns ist es wichtiger, die Jugendspieler optimal auszubilden, als in der JBBL oder NBBL unbedingt Spiele zu gewinnen, was wiederum natürlich das Hauptziel der Profis ist. Das heißt im Detail, dass wir mit der Jugend deutlich freier spielen wollen und nicht unbedingt so taktisch wie die Profis es tun. Dadurch werden die Spieler in ihrer Entwicklung deutlich intelligenter und lernen gute Eins gegen Eins Situationen zu erkennen und einen sehr schnellen Basketball zu spielen. Die Spezialisierung kommt dann nachher im Profibereich, worauf die Jugendspieler dann aber sehr gut vorbereitet sind.

Was sind Eure nächsten Ziele als Basketball-Coach und wo liegen die Ziele für Eure Jugendteams?

Kevin Ney: In der Regionalliga ist das Ziel ganz klar der Klassenerhalt. Wir wollen schnellstmöglich mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben. In der NBBL und JBBL verfolgen wir, wie gesagt, das Ziel, die Jungs bestmöglich auszubilden und auf die späteren Aufgaben vorzubereiten. Das ist uns definitiv wichtiger, als jetzt jedes Spiel zu gewinnen.  

Pascal Heinrichs: Mein persönliches Ziel ist es, mich immer noch weiterzubilden, da ich es für sehr wichtig erachte, immer weiter an sich zu arbeiten. Die A-Lizenz ist beispielsweise eines dieser Ziele. Wie Kevin schon sagt, es geht uns darum die Jungs bestmöglich zu fördern und weiterzuentwickeln. Ebenso ist es ein großes Ziel, die Doppellizenzspieler in den Jugendteams weiter für den Profikader vorzubereiten. Da hilft es natürlich enorm, dass die Jungs bereits mit den Profis und Marco trainieren werden.